Kompromisslos, wenn es um Qualität und Effizienz geht

Gestandener Lehrer als Praktikant

Dass Schüler oftmals in den beiden Wochen vor den Winterferien ein Praktikum absolvieren, ist Normalität, dass sich aber auch ein Lehrer unter das Praktikumsvolk mischt, eher die Ausnahme. Volkmar Bartels (55) ist so einer. Er nutzt ein Angebot vom Schulamt in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer und macht sein Betriebspraktikum bei der Güstrower Wärmepumpen GmbH im Gewerbegebiet in Glasewitzer Burg. Eine Woche wurde er dafür vom Unterricht freigestellt. Eine Ferienwoche gibt er gern dazu.

Volkmar Bartels ist im gymnasialen Bereich des "RecknitzCampus" Laage für die Praktika verantwortlich und außerdem Berufsberatungslehrer an der Schule. In erster Linie aber ist er Lehrer für Mathematik, Physik und Astronomie. "Gleich drei gute Gründe, das Angebot der IHK anzunehmen", schlussfolgert der Güstrower, der sich den Praktikumsbetrieb aussuchte. "Eines Abends stand er mit seinem Anliegen vor der Tür. Wir finden die Idee toll und waren sofort bereit sie zu unterstützen", sagt Thomas Runde, Managing Director bei der Wärmepumpen GmbH. Zwei Aufgaben hat der Lehrer bekommen. Bevor das Unternehmen im März zur ISH-Messe nach Frankfurt - der größten Messe im Bereich Sanitär und Heizung, betont Thomas Runde - geht, schaut Volkmar Bartels all das durch, was potenzielle Kunden von der Messe mitnehmen können. "Ein externer Blick ist oft hilfreich, wenn es darum geht, ob alles kundenfreundlich, logisch und verständlich formuliert ist", denkt Thomas Runde. Außerdem hat der Lehrer eine Kosten-Nutzen-Analyse erstellt, die dem Kunden verdeutlicht, was ihm eine Wärmepumpe bringt, wann sie sich amortisiert. Er hat sich im mittelständischen Unternehmen mit 28 Mitarbeitern umgesehen und wird in dieser Wochen auch noch für einen Tag den Blaumann anziehen und in die Produktion gehen.

Volkmar Bartels, für den das Betriebspraktikum allein schon aus der Sicht des Physiklehrers sehr interessant ist, nimmt auf jeden Fall neue Erkenntnisse mit. Einmal habe er bemerkt, wie viel in dem Unternehmen, das oft individuelle Lösungen für den Einsatz von Wärmepumpen anbietet, sehr viel gerechnet wird. Der Mathelehrer wird eine konkrete Antwort haben, wenn Schüler ihn mal wieder fragen, wozu sie denn später Mathe benötigen würden. Außerdem: "Bisher habe ich den Schüler gesagt, dass sie ein ordentliches Abitur machen, studieren und sich dann einen anspruchsvollen und besser bezahlten Arbeitsplatz im Westen suchen sollen. Künftig kann ich ihnen auch sagen, dass es auch hier anspruchsvolle Arbeit gibt."

Mal raus aus dem Lehrer-Trott, andere Menschen mit anderen Horizonten kennen lernen, das hat Volkmar Bartels gereizt. Seine Rechnung ist für ihn aufgegangen und er kann sich vorstellen, dass es nicht sein letztes Betriebspraktikum ist.

von Regina Mai
www.svz.de/artikel/article/gestandener-lehrer-als-praktikant-1.html

12.02.2011